3 Minuten

Wie in Trance.. beschreibt man es so? Nur keine sehr angenehme!

Wie tausend kleine Ameisen die auf einem großen Haufen auf und ab laufen, quer durcheinander, einer über

den anderen rüber. Hinein in ihre Löcher und wieder heraus und nur beim Zusehen kitzelt

es mir auf der Haut und ich bekomme Gänsehaut.

Wie fallender Schnee während der Fahrt im Auto, wenn man durch die Scheibe hinein sieht

und sich im Strudel der Flocken verliert. Ein Strudel der die Macht hat zu hypnotisieren.

Ich verliere mich in Gedanken! In vielen Gedanken! Es hört nicht auf, ich kann sie nicht

abstellen. Noch während ich denke, denke ich an etwas anderes, weil ich denke, dass

dieser Gedanke vielleicht absurd ist. Und währerıdessen ich versuche meine vorhandenen

Gedanken zu sortieren, sorgt meine Umwelt dafür, mich mit neuen Eindrücken zu

überfluten, mich zu überhäufen mit Geräuschen von nah und fern, mit Bildern die sich an

mich klammern, mit Gerüchen, die sich in meine Nase bohren und dort ablegen und mich

anwidern, verstimmen oder fröhlich machen. Worte von überall, Menschen die miteinander

reden, streiten, lachen.. Babys die weinen, Hunde die bellen, Autos die fahren, neben mir

oder weiter weg.

Von weitem ein Martinshorn, das in mir unsagbare Ängste und Gedanken auslöst. lch habe

sofort meine Kinder im Kopf, meine Familie, meine Freunde. Ich versuche mir in Bruchteilen

einer Sekunde selbst zu helfen und sage mir: "Es ist alles gutl" Doch im nächsten

Augenblick denke ich: "Und wenn nicht?" Ich warte und hoffe, dass mein Handy nicht in den

nächsten Minuten klingelt und während ich warte, überlege ich wo der Krankenwagen wohl

hin fährt, was wohl passiert ist und wie sehr diese Person jetzt leidet, der geholfen werden

muss. ich hoffe, dass ich in diesem Augenblick nicht einen Leichenwagen sehe, denn es

könnte doch sein, dass er dem Krankenwagen hinterher fahrt. Die Menschen lachen immer

noch, niemand scheint dieses Martinshorn aufgefallen zu sein. ich glaube, dass sie es

vielleicht nicht rnal registriert haben oder haben sie es ausgeblendet? Was ist, wenn es

einer ihrer Angehörigen ist, dem etwas schlimmes zugestoßen ist und in diesem Moment ihr

Telefon klingelt und er in Tränen ausbricht. Aber es bleibt stumm, die Menschen reden und

ich höre nur ein Wirrwarr aus Stimmen, es brummt so ein bisschen und dieser Hund bellt in

einem Rhythmus, immer in derselben Tonlage. immer im selben Abstand zu dem Laut

zuvor. Er sieht sehr aufgeregt aus, setzt sich, stellt sich wieder auf. Aber er bellt unentwegt.

Ich frage mich, ob Hunde auch Halsschmerzen bekommen können, wenn sie ständig bellen.

Und grinse ein bisschen, mit dem Gedanken, er würde eine Halsschmeiztablette lutschen.

Ich habe nun das Bedürfnis, ihm eine Schale mit Wasser hin zu stellen, weil ich inzwischen

glaube, dass er davon wirklich Halsschmerzen bekommen könnte. Sein Herrchen kommt

raus, auf der Stelle ist es still, das Bellen des Hundes fehlt plötzlich in meinem Umfeld, es

ist eine kleine Sekunde ganz ruhig und ich freue mich, dass der Hund wieder glücklich ist,

bei seinem Herrchen zu sein. Das Kind, was gerade an dem Hund vorbei geht, hat offenbar

keine Angst vor Hunden, es freut sich. Wie alt mag der Junge sein? Vielleicht 2 oder jünger

also hat es noch keine Angst vor der Welt,  hat noch nichts schlechtes erfahren, ein Hund

zumindest hat ihm noch nichts Böses getan. Er möchte ihn streicheln, aber Herrchen weiß

offenbar, dass Wauwi das nicht mag und zieht ihn zur Seite. Der Junge an Mamas l-land

wird einfach weiter gezogen, er hätte dadurch ja sowieso nicht die Chance gehabt, ihn zu

streicheln. Wie aus purer Freude über etwas plötzlich Traurigkeit entsteht. in einer Sekunde

war dieses Kind glücklich einen Hund zu sehen und in der nächsten traurig, dass es alles

war, was es erfahren durfte. Er durfte nur sehen. Nicht fühlen, nicht riechen.. vielleicht noch

etwas hören.

Etwas fehlt, die Menschen die eben noch gelacht und geredet haben, haben sich

verabschiedet. Sie steigen in ihre Autos, eins blau, eins silber metallic. Beide kommen aus

der Gegend, das Nummernschild ist fast gleich. Sie haben eigentlich gar nicht eingekauft,

vielleicht waren sie nur beim Bäcker frühstücken.

Ich stehe so mitten drin, ich habe das Gefühl alle um mich herum dreht sich und ich stehe

still. Dankbarkeit fühle ich ein wenig, einen kurzen Moment, denn mein Handy hat noch

nicht geklingelt und ich glaube, dass ich sicher sein kann, dass der Krankenwagen nicht zu

meiner Familie gefahren ist. Einen Leichenwagen habe ich auch nicht gesehen. Mir geht es

ein wenig besser jetzt. Mein Herzschlag beruigt sich. Ich fühle, wie es langsamer schlägt. Es

erinnert mich an das Geräusch, was man hört, wenn man die Ohren unter Wasser hält. ln

der Badewanne zum Beispiel. Ein Rauschen.. und jedes Pochen des Herzens ist so laut, so

nah und so, als könnte man es dabei beobachten. Ich steil mir vor, dass dieses Rauschen

das Blut ist, was in einem hohen Tempo durch meine Adern fließt. ich halte die Luft ani Ich

möchte wissen was passiert rnit den Geräuschen, wenn ich nicht mehr atme. Es dauert ein

paar Sekunden, aber dann erhöht sich der Abstand zwischen den Herzschlägen. Es wird

langsamer. Ohne das Geräusch des Atems habe ich das Gefühl, noch viel tiefer in mich

hinein sehen zu können. Ich atme wieder, so lange kann ich den Atem nicht anhalten, weil

ich plötzlich ein Gefühl von Panik bekomme. Es ist unnatürlich nicht zu atmen, das macht

mir Angst. ich höre wie die Luft in meine Lunge gepresst wird. Das Einatmen höıt sich ein

wenig anders an, als das Ausatmen. Ich fühle mich erleichtert. Aber ich kann dieses

Reinhören in meinen Körper nun plötzlich nicht mehr ertragen und hole meine Ohren wieder

aus dem Wasser. Auf einmal war dieser Gedanke furchterregend, was in meinen Körper vor

sich geht, denn ich lies Gedanken zu, die ich nicht zulassen möchte aber ich kann sie nicht

aufhalten. Was ist wenn ich plötzlich gar nichts mehr höre. Oder eins der Dinge darin nicht

mehr funktionieren. Was ist, wenn ich plötzlich meine Herzschlag nicht mehr höre. Bin ich

dann.... Nein.. Dann könnte ich ja nicht mehr hören. Aber vielleicht bin ich dann taub? Wie

ist das eigentlich wenn man taub ist. Dann hört man ja auch kein Rauschen im Körper. Kein

Blut fließen, kein Herz klopfen. Was für eine unglaubliche Stille das sein muss. ich kann mir

überhaupt nicht vorstellen, gar nichts zu hören. ich weiß ja nicht einmal wie das ist. ich höre

ja stängig irgendwas. Und wenn es nur meine eigenen Gedanken sind. Können von Geburt

an taube Meschen überhaupt denken? Sie können ja nicht sprechen, und wissen gar nicht

wie es sich anhört ein Wort zu sagen. Oder einen Satz zu hören.. Man könnte vermutlich

nicht mal einen Zettel hinterlegen wo drauf steht "Ich liebe dich". Der Satz klingt ja nicht...

hat keine Bedeutung weil es nur Buchstaben sind, die aneinander gereiht dort stehen. Aber

was denkt sich ein Tauber...'?? Ich wüsste gern, ob er überhaupt denken kann. Und was sie

wohl Träumen, wahrscheinlich nur Bilder. Was träumen Blinde?? Sie sehen doch keine

Bilder. Wissen nicht wie etwas aussieht. Nur wie es sich anfühlt und anhört. Träumen sie

trotzdem von hellen Räumen mit Häusern und Bäumen? Aber dann sehen sie ia doch

irgendwas. Oder träumen sie nur von schwarzen leeren Räumen und träumen, dass sie

fühlen?? Es ist unbegreiflich für mich. Wie die Quantentheorie, ich habe keine Ahnung

davon und wie sehr ich auch versuche, das zu verstehen, ich schaffe es nicht

So jetzt mal im Ernst, ich habe eigentlich ganz andere Sorgen, um die ich mich heute

kümmem muss.. Auf zur Tagesordnung, ich habe mich zu sehr ablenken lassen in den

 

letzten drei Minuten...

Kommentare: 2
  • #2

    Cloude (Freitag, 15 Juni 2018 23:57)

    Schön geschrieben :) Es muss anstrengend sein, wenn die Gedanken so schnell und in alle Richtungen fließen...

  • #1

    Ellifan (Freitag, 15 Juni 2018 12:50)

    Sehr schön �
    Die Gedanken sind frei�